Was man vor dem Bau eines offenen Kamins wissen sollte

Die behaglich-romantische Atmosphäre eines offenen Kamins ist kaum zu überbieten, bedarf aber vor dem Einbau sorgfältiger Überlegungen. Foto: Hagos eG, Stuttgart
Die behaglich-romantische Atmosphäre eines offenen Kamins ist kaum zu überbieten, bedarf aber vor dem Einbau sorgfältiger Überlegungen. Foto: Hagos eG, Stuttgart

(sl). Gemütliche Stunden im Feuerschein eines offenen Kamins gelten als wohlige Behaglichkeit pur. Mancher Bauherr möchte, besonders wenn es draußen ungemütlich kalt wird, die Lagerfeuer-Romantik auch im eigenen Haus genießen können. Früher brachte allein der Kaminofen den Raum auf Wohlfühltemperatur. Ein klassischer offener Kamin ist dagegen die attraktive Luxusvariante. Diese Kaminart ist nur zu empfehlen, wenn ausschließlich die Atmosphäre im Mittelpunkt steht, denn zum effektiven Heizen eines Raumes eignet sich ein offener Kamin nicht. Etwa 80 Prozent der möglichen Heizkraft des Brennstoffes gehen mit einem offenen Kamin verloren. Typisch ist die Erfahrung, dass man es vor dem Kamin schön warm und gleichzeitig hinten im Rücken kalt hat, falls der Raum ausschließlich durch einen offenen Kamin geheizt wird.

Ein klassischer offener Kamin ist nicht gerade günstig: Durchschnittlich 7.650 Euro müssen investiert werden. Voraussetzung für einen offenen Kamin ist in jedem Fall ein eigener Schornstein. Ein offener Kamin wird in der Regel vom Kaminbauer nach den individuellen Wünschen des Bauherrn gestaltet. Im Feuerraum aus Schamottestein brennt zum Raum hin offen ein Holzfeuer. Die Wärme wird nur als Strahlungswärme aus der Feueröffnung abgegeben.

Etwas anders definiert das Baurecht den Begriff Kamin: „Offene Kamine sind Feuerstätten, die bestimmungsgemäß mit offenem Feuerraum betrieben werden.“ Dies legen die Bestimmungen der Kleinfeuerungsanlagen-Verordnung fest. Als offener Kamin im Sinne der Verordnung gilt nicht nur der klassische offene Kamin, auch mit Feuertüren ausgestattete Heizkamine oder Kaminöfen, die sowohl offen als auch geschlossen betrieben werden können, sind im Sinne des Gesetzes Kamine – anders als Heizkamine mit selbstschließenden Türen. Heizkamine kann ein Laie daran erkennen, dass die Türen beim Einlegen von Brennmaterial festgehalten werden müssen.

Offene Kamine dürfen nach der Kleinfeuerungsanlagen-Verordnung nur gelegentlich betrieben werden. Es ist also untersagt, einen solchen Kamin regelmäßig und überwiegend zur Wohnraumbeheizung einzusetzen. Diese Bestimmung ist in die Verordnung aufgenommen worden, weil offene Kamine als Heizung nicht dem Stand der Technik entsprechen. In einem oft zitierten Gerichtsurteil hat das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz in Koblenz für einen einzelnen offenen Kamin festgelegt, dass dieser an nicht mehr als an acht Tagen je Monat für jeweils fünf Stunden betrieben werden dürfe (Az.: 7A 12014/92). Diese Anordnung kann jedoch keinesfalls bundesweit als genereller Maßstab angesehen werden. Der Umfang der Betriebseinschränkungen hängt vielmehr von den örtlichen Behörden und den Umständen des Einzelfalles ab.

Offene Kamine können vielfältig gestaltet werden. Die Palette reicht von rustikal bis hin zu modernem Design in Edelstahl. Für eine sichere Benutzbarkeit und um möglichen Brandgefahren vorzubeugen, muss ein offener Kamin sorgfältig geplant werden. Zuerst sollte geklärt werden, ob in ein bestehendes Haus oder eine Wohnung überhaupt ein Kamin eingebaut werden kann. Schon bei der Entwicklung der Konzeption sollte man den Schornsteinfeger zu Rate ziehen. Relativ leicht ist dies möglich, wenn dieser ohnehin im Haus ist, etwa um den Schornstein zu fegen oder die Abgaswerte der Heizung zu prüfen. Der Vorteil dieser Beratung liegt darin, dass sie neutral ist. Mit dem Ergebnis kann man dann zum Kaminbauer gehen, der den Kamin plant und baut.

Vor Baubeginn eines offenen Kamins muss aber beispielsweise in einigen Bundesländern das Projekt erst noch vom Schornsteinfeger genehmigt werden. Nach dem Rohbau und dem abschließenden Einbau überprüft der Schornsteinfeger den Ofen noch einmal, zur Sicherheit der Betreiber. Bevor man seinen Kamin das erste Mal anheizen kann, muss schließlich noch der Bezirksschornsteinfegermeister seine Zustimmung geben. Mit dieser feuerpolizeilichen Bauabnahme wird bestätigt, dass der Kamin richtig angeschlossen ist und keine gesundheitsschädlichen Gase entweichen.

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